
Bin ich mein Körper - oder habe ich ihn?
26.04.2026 - 11:39 Uhr
Neulich sagte eine Klientin während einer Behandlung seufzend zu mir: „Ich bin eine einzige Baustelle.“
Das hat mich berührt. Nicht nur wegen des Satzes selbst, sondern wegen dem, was darin mitschwingt: Erschöpfung, Selbstkritik und dieses unausgesprochene Gefühl, im eigenen Körper nicht mehr ganz zuhause zu sein.
Und wie so oft in solchen Momenten taucht in mir dieselbe Frage auf:
Wie betrachten wir uns eigentlich in unserer Körperlichkeit? Und wie sprechen wir darüber?
Diese Frage lässt mich nicht los.
Denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr löst sich das Bild von „haben“ auf. Es klingt, als würden wir in einem Körper sitzen und ihn benutzen, als wäre er ein Gefährt. Als gäbe es ein Ich, das außerhalb steht und auf den Körper blickt.
Doch in meiner körpertherapeutischen Arbeit gerät dieses Bild ins Wanken.
Wenn ich einen verspannten Nacken berühre und die Person beschreibt, wie schutzbedürftig sich dieser Bereich anfühlt, oder wenn sich ihr Bauch unter meiner Hand reflexhaft zusammenzieht, wird die Trennung zwischen dem, was körperlich geschieht, und dem, was Reaktion auf innere Bilder, Erinnerungen oder Gedanken ist, unscharf.
In solchen Momenten zeigt sich der Körper nicht als Objekt, sondern als Ort eines Geschehens.
Ich bin nicht in meinem Körper wie in einem Haus. Und auch nicht wie in einem Auto. Eher entsteht das, was ich „ich“ nenne, überhaupt erst in dieser Verkörperung.
Ich habe da für mich das Bild des Windes gefunden. Er wohnt nicht in der Landschaft. Er entsteht in ihr, z.B. durch Luftdruck, Temperatur und Bewegung. Und während er entsteht, verändert er die Landschaft und wird von ihr verändert. Er ist kein Zentrum, kein Ding, sondern ein Geschehen, das dennoch in seinem Dasein und seiner Wirkung spürbar ist.
In der konkreten Begegnung verliert die Trennung zwischen Körper und Erleben weiter an Schärfe.
Und es stellt sich weniger eine Antwort ein als eine Verschiebung der Frage:
Wenn ich das praktisch weiterdenke, wird es sofort konkreter.
Nehmen wir ein gebrochenes Bein. Sofort entsteht ein klares Bild. Das muss repariert, stabilisiert und geheilt werden. Kaum jemand würde sagen, das sei einfach eine andere Variante von Beinsein.
Und genau daran zeigt sich, wie selbstverständlich wir Körper in „funktionierend“ und „nicht funktionierend“ einteilen. Und damit auch die Vorstellung mittragen, ihn zu besitzen, eben wie ein Werkzeug oder ein Fahrzeug.
Aber was bedeutet es, wenn ich ernst nehme, dass ich mein Körper bin und ihn nicht habe? Ist ein gebrochenes Bein dann etwas, das mir passiert – oder bin ich dieses gebrochene Bein in diesem Moment?
Bei Behinderung wird diese Frage noch deutlicher. Denn dort tauchen schnell Begriffe auf wie „eingeschränkt“, „weniger leistungsfähig“ oder „nicht vollständig“. Als wäre der Körper ein System mit einem Normalzustand, und alles andere ist eine Abweichung davon.
Doch in der konkreten Begegnung verschiebt sich etwas. Nicht im Sinne einer Bewertung, sondern im Sinne einer anderen Wirklichkeit.
Da ist kein weniger Körper – sondern ein Körper, der eine andere Weise gefunden hat, durch den Tag zu gehen. Eine andere Geschwindigkeit, eine andere Organisation von Kraft, Aufmerksamkeit und Bewegung.
Und doch bleibt die Frage offen, warum wir so schnell in diese Einordnungen rutschen.
Vielleicht ist es genau das, was irritiert. Wenn ich sage „Ich bin mein Körper“, dann kann ich ihn nicht mehr als Objekt denken, das repariert werden muss. Und gleichzeitig kann ich nicht leugnen, dass Schmerz, Einschränkung und Bedürftigkeit real sind.
Beides ist da.
Das bringt mich zum Thema Geschlecht. Je weiter ich gehe, desto mehr taucht dieselbe Grundfrage wieder auf:
Und wo sitzt eigentlich das, was wir „Ich“ nennen? Wenn ich ernst nehme, dass Identität verkörpert ist, dann stellt sich auch die Frage, wie wir mit dem umgehen, was innerlich als Gewahrsein erlebt wird und äußerlich nicht sichtbar ist, wie etwa bei transgeschlechtlichen Menschen.
Dann geht es weniger darum, ob es eine eindeutige körperliche Entsprechung geben muss.
Sondern eher darum, warum wir diese Eindeutigkeit überhaupt erwarten.
Sondern ein Feld, in dem sich Erleben, Biologie und Selbstwahrnehmung gegenseitig beeinflussen und ständig neu formen.
Wie der Wind in der Landschaft: nichts davon steht für sich allein, nichts lässt sich auf eine Ebene reduzieren.
Dann wäre Identität kein festgelegter Ausdruck einer körperlichen Grundlage, sondern etwas, das in diesem Zusammenspiel entsteht.
Manchmal stabil, manchmal widersprüchlich, jedenfalls nie ganz abschließend festzulegen.
Mich berührt daran besonders, dass wir nicht außerhalb dieses Geschehens stehen. Wir sind keine Fahrer, keine Gäste im eigenen Körper.
Sondern etwas, das in diesem Zusammenspiel auftaucht, sich zeigt, sich verändert und wieder vergeht.
Und während ich das schreibe, merke ich, dass es mir weniger um eine Erklärung geht, sondern um diese Veränderung der Perspektive selbst.
Und vielleicht um ein etwas weicheres Verhältnis zu dem, was in uns und zwischen uns lebendig ist.
Das hat mich berührt. Nicht nur wegen des Satzes selbst, sondern wegen dem, was darin mitschwingt: Erschöpfung, Selbstkritik und dieses unausgesprochene Gefühl, im eigenen Körper nicht mehr ganz zuhause zu sein.
Und wie so oft in solchen Momenten taucht in mir dieselbe Frage auf:
Wie betrachten wir uns eigentlich in unserer Körperlichkeit? Und wie sprechen wir darüber?
Diese Frage lässt mich nicht los.
Denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr löst sich das Bild von „haben“ auf. Es klingt, als würden wir in einem Körper sitzen und ihn benutzen, als wäre er ein Gefährt. Als gäbe es ein Ich, das außerhalb steht und auf den Körper blickt.
Doch in meiner körpertherapeutischen Arbeit gerät dieses Bild ins Wanken.
Wenn ich einen verspannten Nacken berühre und die Person beschreibt, wie schutzbedürftig sich dieser Bereich anfühlt, oder wenn sich ihr Bauch unter meiner Hand reflexhaft zusammenzieht, wird die Trennung zwischen dem, was körperlich geschieht, und dem, was Reaktion auf innere Bilder, Erinnerungen oder Gedanken ist, unscharf.
In solchen Momenten zeigt sich der Körper nicht als Objekt, sondern als Ort eines Geschehens.
Etwas, das nicht einfach „ist“, sondern sich fortwährend organisiert, reagiert, erinnert.
Ich bin nicht in meinem Körper wie in einem Haus. Und auch nicht wie in einem Auto. Eher entsteht das, was ich „ich“ nenne, überhaupt erst in dieser Verkörperung.
Ich habe da für mich das Bild des Windes gefunden. Er wohnt nicht in der Landschaft. Er entsteht in ihr, z.B. durch Luftdruck, Temperatur und Bewegung. Und während er entsteht, verändert er die Landschaft und wird von ihr verändert. Er ist kein Zentrum, kein Ding, sondern ein Geschehen, das dennoch in seinem Dasein und seiner Wirkung spürbar ist.
In der konkreten Begegnung verliert die Trennung zwischen Körper und Erleben weiter an Schärfe.
Und es stellt sich weniger eine Antwort ein als eine Verschiebung der Frage:
Ist das Ich im Körper – oder ist der Körper selbst bereits dieses Ich?
Wenn ich das praktisch weiterdenke, wird es sofort konkreter.
Nehmen wir ein gebrochenes Bein. Sofort entsteht ein klares Bild. Das muss repariert, stabilisiert und geheilt werden. Kaum jemand würde sagen, das sei einfach eine andere Variante von Beinsein.
Und genau daran zeigt sich, wie selbstverständlich wir Körper in „funktionierend“ und „nicht funktionierend“ einteilen. Und damit auch die Vorstellung mittragen, ihn zu besitzen, eben wie ein Werkzeug oder ein Fahrzeug.
Aber was bedeutet es, wenn ich ernst nehme, dass ich mein Körper bin und ihn nicht habe? Ist ein gebrochenes Bein dann etwas, das mir passiert – oder bin ich dieses gebrochene Bein in diesem Moment?
Bei Behinderung wird diese Frage noch deutlicher. Denn dort tauchen schnell Begriffe auf wie „eingeschränkt“, „weniger leistungsfähig“ oder „nicht vollständig“. Als wäre der Körper ein System mit einem Normalzustand, und alles andere ist eine Abweichung davon.
Doch in der konkreten Begegnung verschiebt sich etwas. Nicht im Sinne einer Bewertung, sondern im Sinne einer anderen Wirklichkeit.
Da ist kein weniger Körper – sondern ein Körper, der eine andere Weise gefunden hat, durch den Tag zu gehen. Eine andere Geschwindigkeit, eine andere Organisation von Kraft, Aufmerksamkeit und Bewegung.
Und doch bleibt die Frage offen, warum wir so schnell in diese Einordnungen rutschen.
Vielleicht ist es genau das, was irritiert. Wenn ich sage „Ich bin mein Körper“, dann kann ich ihn nicht mehr als Objekt denken, das repariert werden muss. Und gleichzeitig kann ich nicht leugnen, dass Schmerz, Einschränkung und Bedürftigkeit real sind.
Beides ist da.
Das bringt mich zum Thema Geschlecht. Je weiter ich gehe, desto mehr taucht dieselbe Grundfrage wieder auf:
Beeinflusst das Bewusstsein den Körper – oder formt der Körper das Bewusstsein?
Und wo sitzt eigentlich das, was wir „Ich“ nennen? Wenn ich ernst nehme, dass Identität verkörpert ist, dann stellt sich auch die Frage, wie wir mit dem umgehen, was innerlich als Gewahrsein erlebt wird und äußerlich nicht sichtbar ist, wie etwa bei transgeschlechtlichen Menschen.
Dann geht es weniger darum, ob es eine eindeutige körperliche Entsprechung geben muss.
Sondern eher darum, warum wir diese Eindeutigkeit überhaupt erwarten.
Vielleicht ist Körper nicht etwas, das ein festes Inneres abbildet.
Sondern ein Feld, in dem sich Erleben, Biologie und Selbstwahrnehmung gegenseitig beeinflussen und ständig neu formen.
Wie der Wind in der Landschaft: nichts davon steht für sich allein, nichts lässt sich auf eine Ebene reduzieren.
Dann wäre Identität kein festgelegter Ausdruck einer körperlichen Grundlage, sondern etwas, das in diesem Zusammenspiel entsteht.
Manchmal stabil, manchmal widersprüchlich, jedenfalls nie ganz abschließend festzulegen.
Mich berührt daran besonders, dass wir nicht außerhalb dieses Geschehens stehen. Wir sind keine Fahrer, keine Gäste im eigenen Körper.
Sondern etwas, das in diesem Zusammenspiel auftaucht, sich zeigt, sich verändert und wieder vergeht.
Und während ich das schreibe, merke ich, dass es mir weniger um eine Erklärung geht, sondern um diese Veränderung der Perspektive selbst.
Und vielleicht um ein etwas weicheres Verhältnis zu dem, was in uns und zwischen uns lebendig ist.